Dienstag, 25. August
Die Nacht war sehr unruhig und gespenstisch, ein wirklich sehr heftiger Sturm und mehrere Gewitter tobten um die Hütte und es rüttelte und klapperte in allen Ecken.
6.30 Uhr – das Unwetter tobte immer noch. Wie wird das wohl heute werden??

Etwas später, wir krabbelten voller Erwartung aus unseren Decken und wagten einen Blick aus dem Fenster - großer Schreck, es war alles weiß und es regnete, schneite und graupelte im Wechsel und es stürmte immer noch, zwar nicht mehr so heftig aber es war auch noch saukalt und sah wirklich sehr ungemütlich aus.

An ein "Weiter" war nicht zu denken, viel zu gefährlich, wir kannten ja den Weg nicht und wir waren doch relativ hoch, so daß wir schon eher von Hochgebirgswegen und nicht von einem gemütlichen Wanderweg ausgehen mußten. Also packten wir nach dem Frühstück die Spielkarten aus und
später bestellten wir einen Teller Spaghetti und Rotwein - was solls. Wenn es sein muß, bleiben wir halt noch eine Nacht hier, auf keinen Fall werden
wir ein Risiko eingehen.

Mittags wurde das Wetter dann doch noch besser, der Regen hörte auf und der Schnee schmolz weg. Wir zogen alles an was wir dabei hatten, einschließlich Stirnband/Mütze und den warmen Handschuhen, denn es war wirklich sehr kalt und entschlossen uns zu der nahen Seilbahn am
Sasso Pordoi zu wandern und bis zum Passo Pordoi runter zu fahren (es wurde uns dazu geraten). Völlig durchnässt kamen wir an der Seilbahnstation
an, denn unterwegs begann es wieder heftig zu „naßschneien“. Ekelhaft, diese Nässe kriecht überall durch. Wir konnten uns zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen, dass wir heute noch weiter wandern würden.
Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wußten, dass in dieser Nacht ein schlimmes Unwetter über Südtirol tobte und unter anderem auch im Martelltal
den Dammbruch verursacht hat. Viele andere Schäden waren ebenfalls zu beklagen.

Wenn die Wolken mal aufrissen, konnte man doch sehr gut sehen, dass das Wetter unten am Pass offensichtlich etwas besser war.

Am Pass angekommen wanderten wir dann doch weiter Richtung Fedaja-Stausee und unserem heutigen Etappenziel entgegen.

Ein sehnsüchtiger Blick zurück auf den Piz Boé, den wir leider nicht besuchen konnten. Die Hütte liegt links davon in dem geraden Stück.

Diese Gletscherzunge gehört zur Marmolada und man sieht schon auch hier, dass in der Höhe noch ordentlich was los ist und wir waren froh, dass wir runter gefahren sind, denn es zog wieder zu und wir kamen exakt mit den ersten Regentropfen in unserer Hütte an und sofort begann es heftigst zu schütten.

Einige Tage später erfuhren wir dass es auf der anderen Seite des Sees eine neue Hütte gibt, wir hätten nur über den Damm laufen müssen. Hm, das wäre dann allerdings für einen höheren Preis gewesen, nämlich noch einmal vollkommen durchnässt dort anzukommen. Wir hätten dann wohl nichts Trockenes mehr zum wechseln gehabt. Es war gut so wie wir es entschieden hatten.
Insgesamt war diese „Hütte“ sehr groß, ungemütlich und kalt. Aber wir ließen uns nie die Laune verderben, wir hatten ja uns und ein Späßchen gab es fast immer. *ggg*

Es gibt ja die unterschiedlichsten Zimmer und Lager, aber in diesem Rifugio hatten wir wohl die abenteuerlichsten Betten auf der gesamten Tour und das gammeligste Zimmer. Ich war sehr mutig und nahm das Bett unter Reinhold *ggg* , Deves hatte das einzelne.

Wie mag das wohl aussehen??

Und hier nun die tollen Betten.