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Sonntag, 23. August
Reinhold hat Geburtstag. Vielleicht sind euch schon die Norwegerpullover aufgefallen, Deves mit einem grünen, Reinhold mit diesem blauen und ich habe einen zyklamfarbenen. Diese drei Pullover habe ich extra für diese Tour gestrickt. Der blaue war mein Geburtstagsgeschenk für Reinhold. Natürlich musste ich ihm diesen schon vor Beginn der Tour geben, denn es wäre nicht sinnvoll gewesen, einen Pullover zusätzlich bis zum heutigen Tag mitzuschleppen. Allerdings hat er ihn in Verbindung mit einer Bedingung schon vorher bekommen, er musste ihn an seinem Geburtstag tragen, ganz egal wie heiß oder kalt es an diesem Tag ist. *breitgrins* Reinhold ist ein Morgenmuffel. Es war heiß. Dazu kam, dass er auf der Matratze am Boden nicht so gut geschlafen hat und er musste den Pullover tragen. Er genehmigte sich dazu allerdings seine kurze Hose. Aber weshalb schaut er denn so böse?

Tja weshalb wohl, auf dem Tisch standen mit anderen Blümchen zusammen Edelweiß in der kleinen Vase, das konnte er nun überhaupt nicht verstehen. Edelweiß stehen bekanntlich unter Naturschutz. Die kleinen weißen Blümchen auf dem Foto sind diese Edelweiß, es sind relativ kleine Blüten gewesen, so etwa 1 ½ bis 2 cm im Durchmesser. Das zur Erklärung des liebreizenden Gesichtsausdruckes unseres Geburtstagskindes.
So gegen 8 Uhr sind wir nach einem stärkenden Frühstück abmarschbereit und auf einem Grashang nahe der Hütte entdecken wir die Erklärung für die Edelweiß in der Vase. Hier wuchsen sie wie andernorts die Gänseblümchen, die Wiese war übersät mit den kleinen weißen Sternen.
Um uns herum waberten die Wolken.


und bald waren wir über den Wolken (...da muß die Freiheit wohl grenzenlos sein.... lalalalala)

und bald darauf tauchten wir wieder hinein

Das ist mein Lieblingsbild von meinem Mann und mir von dieser Tour

Wunderschöne Wegstrecken lagen noch vor uns und es waren an diesem Tag 7 Jöcher zu überqueren, wobei einige davon allerdings kaum bemerkbar, andere wieder mit einem heftigen Anstieg verbunden waren. Der rote Pfeil markiert einen von diesen Übergängen. Weil Dorothea nicht so Berg erfahren war, wanderten Jutta und ich mit ihr an einer bestimmten Abzweigung einen anderen Weg als die Jungs. Diese stiegen mit einem weiteren Venedig-Wanderer, über einen Klettersteig weiter und wir umgingen diesen in Richtung Puez-Hütte.

Der rote Pfeil markiert unseren Übergang.

Das ist der Anfang des Klettersteiges, den die Jungs gegangen sind.

Dorothea kam mir auf einmal etwas merkwürdig vor, sie ging plötzlich immer schneller, wir hatten Mühe mitzuhalten, denn wir waren im Aufstieg. Ich glaubte, dass sie sauer war, zum einen weil Reinhold nicht mit ihr gewandert ist und zum anderen auch auf mich, weil ich vollstes Verständnis für die Männer hatte, dass sie diesen Klettersteig gehen wollten. Es kam eine Stelle die seilgesichert, aber eigentlich problemlos zu gehen war. Weil sie einige Meter vor mir war und ich im Berg nicht rennen kann, schon gar nicht mit dem großen Gepäck, holte ich sie nicht rechtzeitig ein, um sie vor einer Dummheit zu bewahren. Sie hatte wohl Panik wegen der Seile und lief einfach geradeaus weiter auf einen sehr steilen und gefährlichen Geröllhang. Es war ein kaum sichtbarer Pfad von 2 Fuß Breite, der auch dann mitten in diesem Hang abrupt endete. Nun stand sie da wie angewurzelt, konnte nicht vor und nicht zurück – Bergkoller!!!. Oje das kannte ich, den hatte ich mal bei einer anderen Gelegenheit vor vielen Jahren. Nun wuchs ich über mich hinaus. Ich setzte meinen Rucksack ab und tat etwas, was ich sonst nie und nimmer gemacht hätte, ich ging eben auch diesen Pfad entlang zu Dorothea und wollte sie an die Hand nehmen und mit mir zurück führen. Aber sie weigerte sich und stand dort heulend und bewegungsunfähig. Ich war fix und fertig, mir schlotterten die Knie, einmal wegen Dorothea und auch über meinen verschwindenden Mut selbst dort hin zu gehen. Leider hatte ich keinen Erfolg. Ich stand hilflos daneben, das war eine sehr gefährliche Situation. Was nun?
Ich ging erst mal wieder zurück, um selbst wieder einen sicheren Stand zu haben, damit meine Beine wieder ruhiger wurden, denn es hätte niemand genutzt, wenn ich noch die Nerven verloren hätte und hoffte sehr, dass bald jemand käme, den ich bitten konnte Dorothea zu holen. Ich rief laut zu ihr hinaus und versuchte sie zu beruhigen, redete ständig auf sie ein, aber es half nichts. Zu mir hatte sie ganz offensichtlich in diesem Moment kein Vertrauen. Zum Glück kam dann ein Ehepaar hoch und ich fragte den Mann ob er es sich zutrauen würde, Dorothea dort herauszuholen. Er ging ohne zu zögern hinaus und sie ließ sich total willenlos zurück führen. Was für eine Erleichterung!!! Sie war fix und fertig. Jetzt machten wir eine kleine Pause, tranken etwas und ich gab ihr Traubenzucker. Ich bat sie, nun für den weiteren Weg bei uns zu bleiben und nicht so schnell zu gehen, die Berge seien keine Rennstrecke. Ja okay. Ich hatte das Gefühl, sie war immer noch nicht im Hier und Jetzt, ihr Gesicht war wie versteinert. Und so war es dann auch, sie raste wieder los. Nur zum Glück war das jetzt nicht mehr gefährlich, der Weg wurde breiter und flacher und die Puez-Hütte war auch schon bald zu sehen.
Diese Situation ist natürlich aus meiner Sicht geschildert, es mag sein, dass sie eine ganz andere Erinnerung hat. Sie hat mich nie zu diesem Vorfall angesprochen und weil es ihr vermutlich peinlich war, habe ich es auch nie erwähnt.

Dort trafen wir Dorotheas Mutter und den Konsul von Teneriffa und seinen Begleiter. Diese beiden Herren waren gerade zu Besuch in der Fabrik von Dorotheas Familie (diese entwickelte damals eine Meerwasserentsalzungsanlage und auf Teneriffa sollte ein Pilotprojekt gestartet werden). Offensichtlich ging es Dorothea wieder besser, sie lachte wieder.

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