Donnerstag, 20. August

Um 5.15 Uhr war die Nacht zu Ende, Abmarsch sollte um 6 Uhr sein und man glaubt es nicht, wir kamen p├╝nktlich weg, nat├╝rlich ohne Fr├╝hst├╝ck. Jutta und Michael wollten zusammen mit uns wandern, aber nach etwa ┬Ż Stunde gab Jutta weinend auf, wir haben nie erfahren weshalb.
Anfangs hatten wir noch einen guten ausgetretenen Pfad.

Nach etwa 1 ┬Ż Stunden machten wir unsere Fr├╝hst├╝ckspause in freier Natur, das war richtig sch├Ân. Das war ein Gef├╝hl von wirklicher Freiheit, wir waren in diesem langen Tal total alleine. Zumindest empfanden wir es genau so.

Weiter ging es, wir hatten noch einiges vor uns. Der Weg f├╝hrte an einem breiten, in einem tiefen Bachbett liegenden, wild gurgelnden Bach entlang, der ziemlich viel Wasser f├╝hrte und wir warteten st├Ąndig auf eine Br├╝cke, die uns hin├╝ber f├╝hren w├╝rde, denn auf die andere Seite mussten wir unbedingt. Nur es kam keine. Pl├Âtzlich nach einer Wegbiegung wurde der Bach von einer Altschneemasse oder eine Restlawine ├╝berspannt und der Weg endete. Und nun?

In dem ausgeh├Âhlten Bett, dessen Seitenw├Ąnde hier etwa 2 Meter hoch waren, donnerte der Bach ├╝ber die Felsen. Uns blieb nur eine einzige M├Âglichkeit, wir mussten ├╝ber diesen ÔÇ×SchneeÔÇť. Ich hatte wahnsinnige Angst, dass die Masse zusammenbrechen k├Ânnte. Man mu├č sich das wie ein nach oben gew├Âlbtes Dach vorstellen, welches den Bach ├╝berspannte. Keiner von uns wusste ob wir da dr├╝ber gehen konnten, es gab auch keinerlei Spuren. Nach langem Hin und Her gingen wir dann einzeln dr├╝ber, wir mussten ja weiter kommen. Die Alternative w├Ąre gewesen, den ganzen Weg zur├╝ck zu gehen und schauen ob es ganz am Anfang gleich eine M├Âglichkeit gibt auf der anderen Seite des Baches zu wandern. Wir waren heilfroh und total erleichtert, dass alles gut ging. Im Nachhinein habe ich mich ge├Ąrgert, dass ich dort kein Foto gemacht habe, aber wir waren alle so angespannt und froh, dass wir da ohne Schaden zu nehmen, dr├╝ber gekommen waren.
Auf dem  Bild sieht man den Bach und dann am unteren Rand etwa in der Mitte einen wei├čen Fleck, das war diese Stelle, leider kann man nicht wirklich viel erkennen.


Insgesamt verlief der Weg heute in einer sehr einsamen, wundersch├Ânen und wenig begangenen Gegend. Der Aufstieg wurde immer wegloser, anstrengender und steiler, die letzten 100 H├Âhenmeter habe ich mich ganz sch├Ân gequ├Ąlt. Vermutlich hat das fr├╝he Aufstehen und die Anspannung bei der Bach├╝berquerung an meinen Kr├Ąften gezehrt. Ich habe es meinen Jungs sogar erlaubt, die letzten Meter bis zur Scharte meinen Rucksack zu tragen, was ich sonst strikt ablehne.

Aber es war herrlich und oben am "Gliederschartl" gab es echte Granate zu finden, man mu├čte sie nur aus den Steinen heraus schlagen, wozu wir nat├╝rlich kein Werkzeug dabei hatten. Schade. Die Aussicht war wunderbar, wir konnten r├╝ber zum Olperer und dessen gro├čen Gletscher schauen.

Auch auf der anderen Seite bot sich uns ein wundersch├Âner Blick auf einen Bergsee. Unsere Augen suchten umher und wir stellten uns die Frage aller Fragen, wie und wo geht der Weg jetzt weiter?


Aber wir fanden ihn. Er verlief nun neben/auf/├╝ber einem kleinen, ziemlich wilden Gebirgsb├Ąchlein.

Kontinuierlich ging es wieder abw├Ąrts und nach etlichen Kilometern st├Âhnten wir gewaltig, einmal wegen der langen Etappe und zum anderen wegen der gro├čen Hitze. Aber wir wollten es so, wir sehnten die Sonne herbei und nun hatten wir wirklich Sonne satt, wir sp├╝rten sehr deutlich, dass wir in Italien angekommen waren.  Manchmal ÔÇ×setztenÔÇť wir uns kurz hin zum ausruhen, diese merkw├╝rdige Haltung brachte wirklich eine kleine Erholung.

 

Jetzt m├╝ndeten die Pfade in Wege, die Wege in breite Wege und diese wiederum in Stra├čen.
Es gibt kaum etwas Schlimmeres f├╝r m├╝de Beine als Asphaltstra├čen bei gro├čer Hitze.

In Pfunders machten wir dann eine Pause

und beratschlagten, wie es weiter gehen sollte, denn nun fehlte uns der eine Tag, den wir auf der Tulfein-Alm wegen Schlechtwetter verbrachten. Wir hatten mit Dorothea in L├╝sen eine Verabredung und wenn wir weiter wanderten, w├╝rden wir diese nat├╝rlich nicht einhalten k├Ânnen. Wir deponierten zu Beginn der Tour bei Dorothea in Icking einmal W├Ąsche- und Handtuchwechsel und dieser sollte dann in L├╝sen stattfinden. Sie wollte auch zwei Tage mit uns bis zum Gr├Âdner-Joch wandern. In Pfunders entschieden wir uns deshalb die morgige Tagesetappe nicht zu Fu├č zu bew├Ąltigen, sondern heute noch mit dem Bus nach L├╝sen zu fahren.
Abends gingen wir in L├╝sen im ÔÇ×LammÔÇť essen und treffen dort, man glaubt es kaum, Jutta und Michael. Sie sind die lange Etappe mit dem Bus gefahren und dann die, die wir fuhren, gewandert und so haben wir uns wieder treffen k├Ânnen.

Von L├╝sen aus konnte man zwischen den Bergen ganz toll den Peitlerkofel sehen, er erstrahlte im Abendlicht, es war ein sehr sch├Âner Anblick und eine ganz eigene Stimmung.