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Samstag, 29. August

Heute beginnt die 4. Woche und uns wird schmerzlich bewusst, dass die Tage in den Bergen fast vorüber sind. Seufz.

Strahlend blauer Himmel so weit das Auge reicht.

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Der Weg zum Rifugio Pramperet ist so schön wie das Wetter und ohne besondere Vorkommnisse.

Heute waren wir sehr früh an der Hütte und hatten somit ausreichend Gelegenheit für ein ausgiebiges Sonnenbad in absoluter Ruhe auf den sonnigen Wiesen nahe der Hütte.

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MV0462Zu dieser Hütte gehören zwei Gebäude, in dem einen befindet sich der Aufenthalts- und Speiseraum sowie die sanitären Anlagen.

In dem Gebäude mit dem grünen Dach sind die Lager eingerichtet.

Ich hoffte sehr, dass es warmes Wasser auf dieser Hütte gäbe, aber leider Fehlanzeige. Meine Haare mussten dringend gewaschen werden und so wusch ich sie mit eiskaltem Wasser. Ihr könnt mir glauben, das werde ich in meinem ganzen Leben nie mehr machen. Das tat richtig weh. Vor der Hütte konnten dann Haare und Handtücher in der Sonne gut trocknen.

Wir bekamen einen Raum mit zweimal je 3 Lager übereinander, auf gut Deutsch zwei Dreistockbetten. Nachts war es in dieser Höhe schon ziemlich kalt und ich hoffte, dass ich nachts nicht zur Toilette musste.

Ich konnte es mir verkneifen bis ich morgens angezogen war.

 

Sonntag, 30. August

Heute lag der fulminante Abschluss der Bergetappen vor uns.

Vor diesem Tag habe ich schon die ganze Tour und auch zu Hause im Vorfeld etwas gezittert, irgendwie hatte ich ein ungutes Gefühl. Auf der Tissi-Hütte befragte ich Herrn Grassler noch mal genauer nach diesem Wegabschnitt und er meinte, wenn ich bis hier gekommen sei, wäre das auch kein Problem.

Na ja.

 

5.15 Uhr aufstehen, Superwetter, aber noch ziemlich frisch, Frühstück 6 Uhr, eingehendes Gespräch mit dem Hüttenwirt über den Weiterverlauf der Tour.

 

Aufbruch 6.30 Uhr. Ein anstrengender und äußerst spannender Tag lag vor uns. Wir waren zu sechst. Jutta und Michael, dann Markus und wir drei. Hans, der Freund von Markus traute sich den weiteren Weg nicht zu und brach die Wanderung schon am Duran-Pass ab und fuhr nach Belluno.

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Dieser frühe Morgen bescherte uns wunderschöne Stimmungen.

Es wird wieder sehr warm, schon nach einer halben Stunde entledigten wir uns schon unserer langen Unterhosen,

bevor der erste richtige Aufstieg kam.

Auf den begrünten Bergschultern der Cima di Citta haben wir eine wunderbare Sicht und eine ganz eigenartige Stimmung so früh so hoch dort oben zu stehen und so weit schauen zu können, es war einfach nur schön.

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Munter ging es wieder abwärts.

An einem Gebäude, was wohl als Schafstall oder ähnliches dient, machten wir eine Rast. Schaut mal unsere Knie an, drei von uns haben eine Bandage drum. Diese vielen Abstiege sind schon ganz schön belastend für die Gelenke.

 

Mir kribbelte es ständig im Bauch, die Spannung vor der Schiara (sprich skiara) wuchs bei mir fast ins Unerträgliche.

Bald kam dann eine Weggabelung, an der man sich entscheiden musste, steigt man ab zum Rifugio Bianchet, um von dort dann mit dem Bus nach Belluno zu fahren, oder steigt man 500 Meter auf zur Marmolscharte. Von dort geht es dann nur weiter über die sehr ausgesetzte Steiganlage mit 600 Metern Höhenunterschied an der Ostseite der Schiara-Südwand mit Leitern, Seilen und schmalen Felsbändern. Michael und Jutta entschieden sich für die Bianchet.

Markus, Reinhold, Deves und ich entschieden uns für den Klettersteig.

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Wir verabschieden uns und steigen weiter in einer traumhaft schönen Bergkulisse. Vor uns im Dunst hinter harmlosen weißen Wölkchen liegt das Bergmassiv, das das Ende unserer Bergetappen bezeichnet, welches wir hier von der Nordseite sehen. Die Marmolscharte war der Übergang (roter Pfeil).

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Es geht durch hüfthohe Blumenfelder, wo wir den Weg unter unseren Füßen nur erahnen konnten, denn man kann die Schuhe durch die Pflanzen nicht sehen. Wir kommen vorbei an riesigen Edelweißbüschen, bei denen die Blüten so groß wie Margeriten sind - beeindruckend schön.

Weiter geht’s. Es wird immer spannender.

MV0488Und dann plötzlich - meine ganz persönliche Schlüsselstelle war hier erreicht.

Hier war ich nun wirklich an meine Grenzen gestoßen und konnte nicht mehr weiter. Meine Angst wuchs und ich stand da heulend, einmal weil ich nicht weiter konnte und zum anderen weil ich ganz genau wusste, dass Deves selbstverständlich mit mir zusammen umkehren wird, obwohl er sich doch auch auf diesen Steig irgendwie gefreut hatte. Ich heulte, es wurde hin und her diskutiert und dann die Entscheidung getroffen, dass Markus und Reinhold alleine weiter gehen und Deves mit mir umkehren und dann zum Rifugio Bianchet absteigen wird.

 

Und das war gut so.

Den ganzen Weg zurück und dann weiter zur Bianchet war ich untröstlich, zum einen, dass wir nicht weiter gehen konnten und zum anderen wegen meinem Deves, der mir ständig versichert hat, dass es ihm überhaupt nichts ausmacht und ich mir wirklich deshalb keine Gedanken machen sollte.

Na ja, was soll er auch sonst sagen.

 

Inzwischen war die Dämmerung hereingebrochen und wir wanderten im Wald auf einem schmalen Weg und weit vor uns war ein ziemlich großer mit Moos bewachsener Fels zu sehen, so etwa 5 Meter hoch und 3 Meter breit.

Plötzlich erschien eine Gestalt, die dann genau so plötzlich wieder verschwunden war. Bei uns erweckte das den Eindruck als würde sich jemand hinter diesem Fels verstecken. Irgendwie wurde uns mulmig, Deves bewaffnete sich mit dem Schweizer Messer und ausgeklappter Klinge.

So bewaffnet gingen wir weiter. Unsere Spannung wuchs je näher wir diesem Felsen kamen.

Plötzlich sprang eine Gestalt hinter diesem Felsen hervor und wir zuckten zusammen.

Dann brachen wir in schallendes Gelächter aus, es war Michael. Was wir vorher nicht wussten, dass die Hütte schon ganz in der Nähe war und Michael noch ein wenig frische Luft schnupperte und uns dabei von weitem entdeckte und erkannte. Hätten wir gewusst, dass wir schon fast am Ziel sind, wäre uns vielleicht in den Sinn gekommen, dass er es sein könnte.

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Nach dem dunklen Wald direkt im Licht auf einer Lichtung stand die Bianchet.

Wir fachsimpelten abends noch über die Schiara und weil wir den Abend in Gesellschaft verbringen konnten,

war der Frust bald hinten angestellt.

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